Freitag, 4. Juni 2010

Die Samaritaner

Die Samaritaner bilden heute mit ca. 700 Mitgliedern in Nablus und Holon die kleinste Glaubensgemeinde im Nahen Osten. Bis zum 19. Jahrhundert jedoch schätzt man ihre Zahl auf viele Tausend, verteilt auf Palästina, Alexandria, Kairo, Gaza, Damaskus, Athen, Korinth, Saloniki, Delos, Konstantinopel, Rom und verschiedene weitere Orte des Mittelmeerraumes. Religionshistoriker nehmen an, dass die Samaritaner vor zweitausend Jahren sogar rund eine Million Menschen zählten. Neben dem Stammland in Palästina hatten die Samaritaner eine weit verstreute Diaspora. Waren die Samaritaner damals noch ein zahlreiches Volk, so sank ihre Zahl im Zuge der sich abwechselnden Vorherrschaft der Perser, Griechen, Römer, Christen, Juden und Moslems durch Verfolgung, Vertreibung und Assimilation, aber auch wegen der strengen Endogamie auf einige kleine Gemeinden in Damaskus, Kairo und zuletzt Gaza. Im Jahre 1918 zählten die Briten laut National Geographic Report im damaligen Mandatsgebiet Palästina 146 Samaritaner in fünf miteinander verwandten Familien; 1901 waren es 152. Seit 1923 ist den Samaritanern auch die Heirat mit jüdischen Frauen erlaubt, wenn diese sich zur samaritanischen Religion bekennen. Seitdem ist die Zahl der Samaritaner angestiegen und umfasst heute etwa 700 Mitglieder. Zahlreiche Überlieferungen zeugen von der Entstehung der Protosamaritaner, der Absonderung von Jerusalem, dem Bau eines eigenen Heiligtums, neben dem heiligen Tempel des Judentums, ihrer Unterdrückung unter verschiedenen Herrschern, bis an den Rand der Auslöschung der Glaubensgemeinde, die es trotzdem schaffte, bis heute weiter zu bestehen.

Seit nun schon über 60 Jahren begleitet der arabisch-israelische Konflikt im Nahen Osten die Weltöffentlichkeit. Die Spannungen wachsen weiter - Raketenangriffe der Hamas auf Israel und der Einmarsch israelischer Truppen in den Gaza Streifen - Ein Ende der Gewalt ist trotz des zunehmenden internationalen Drucks nicht in Sicht. . Besonders religiöse Minderheiten wie die Samaritaner sind vor Übergriffen nicht sicher. Von 1948 bis 1967 waren die Samaritaner durch die israelisch-jordanische Waffenstillstandslinie in zwei Gemeinden geteilt – Nablus, Westbank in Palästina und Holon bei Tel Aviv in Israel. Die Kultstätten, der heilige Berg Garizim, befinden sich unter palästinensischer Zivilverwaltung, fallen aber unter israelische Militärkontrolle. Ihre besondere Position in diesem Konflikt wird schnell deutlich, betrachtet man auch den Bekenntnisdruck, dem sie von israelischer und palästinensischer Seite ausgesetzt sind: Die Gemeinde in Holon wird stark von der modernen israelischen Gesellschaft beeinflusst und spricht neben Samaritanisch vorwiegend Hebräisch. Die in Nablus erhält arabisch-orientalische Bräuche aufrecht und spricht Arabisch.

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen